Nehme ich mein kleines Kind mit zur Beerdigung oder nicht?
Diese Frage stellen Sie sich vielleicht. Folgende Gedanken spielen dabei eine Rolle: „Das Kind versteht doch noch gar nicht, was da passiert. Wie wird es ihm gehen, wenn alle weinen und traurig sind? Das will ich ihm ersparen. Es hält die Trauerfeier nicht durch und wird unruhig. Es lenkt mich von meiner eigenen Trauer ab, wenn ich mich auch noch um das Kind kümmern muss.“ Viele Eltern haben das Bedürfnis sich und das Kind zu schützen.
Das ist verständlich – angesichts der eigenen Angst davor, wie die Beerdigung eines/r nahen Angehörigen durchgestanden werden kann. Ich lade Sie ein: machen Sie Ihr Kind zu Ihrem Verbündeten! Eine alleinerziehende Frau wollte ihren siebenjährigen Sohn bei der Beerdigung ihrer Mutter, weil sie untröstlich war, nicht mitnehmen. Und nachdem ich sie ermutigte, war sie unendlich dankbar, dass er während der Feier an ihrer Seite war.
Auch, wenn Ihr Kind noch jünger ist, können Sie ihm vorher erklären, was geschieht: „N.N. ist tot.“ Selbst, wenn das Kind sich noch nichts unter „tot sein“ vorstellen kann, hilft es, diese Tatsache nüchtern auszusprechen. Davon zu reden, dass die Person für immer eingeschlafen ist, kann ein Kind verwirren und vor dem Einschlafen ängstigen. Weiter können Sie z.B. sagen: „Oma ist jetzt im Himmel. Da geht es ihr gut. Oma passt auf uns auf. Sie hat dich immer noch lieb. Auch, wenn du Oma nicht mehr siehst.“ Nun kommt der schwierige Teil: „Ihren toten Körper legen wir nun in die Erde.“ Oder: „Ihr toter Körper kam ins Feuer. Die Asche legen wir ins Grab. Wir gehen alle zusammen zum Friedhof. Da verabschieden wir uns. Das ist sehr traurig. Ich weine da. Ich bin froh, wenn du dabei bist.“ Kleine Kinder können sich übrigens sehr gut vorstellen, dass ein toter Mensch gleichzeitig im Himmel und in der Erde ist. Manche Kinder stellen sich auch vor, dass er jetzt unter der Erde lebt.
Sobald Ihr Kind malen kann, wäre es schön, wenn sie es ermuntern, ein Bild für die verstorbene Person zu malen. Das können Sie mitnehmen, und das Kind kann es ins Grab werfen oder legen. So kann das Kind sich selbst verabschieden und ist innerlich beteiligt. Auch bei der Rede beziehe ich das Kind bzw. die Kinder mit ein – wie, das würde ich dann mit Ihnen besprechen.
Zum Hintergrund: Kindern steht es zu, ebenso wie Erwachsene als Hinterbliebene wahrgenommen und anerkannt zu werden.
Auch, wenn sie es noch nicht wirklich verstehen, ist es eine wichtige Erfahrung, beim Abschied dabei gewesen zu sein. Auch, wenn die bewusste Erinnerung daran verblassen wird, ist es für die Kontinuität der Lebensgeschichte des Kindes von Bedeutung, mitzubekommen, wie der verschwundene Mensch in die Erde oder die Urnenwand bzw. Urnenstele hineingelangt ist. Sie spüren, dass ein Übergang vollzogen wird und dass sie in der gemeinschaftlichen Feier getragen sind.
Nun noch meine Erfahrung: Ich habe bisher erlebt, dass Kinder ca. ab dem Kindergartenalter der Trauerfeier in der ersten Reihe immer aufmerksam gefolgt sind. Kleinere Kinder laufen gerne herum, das ist auch in Ordnung. Die besondere Verfassung ihrer Eltern, die vielen schwarz gekleideten Menschen, die Stimmung in der Aussegnungshalle mit der besonderen Ausstattung und der Trauerfeier mit Musik, Bewegung (ich wechsle den Platz) und Erzählen ist für die Kinder etwas Besonderes, das sie bannt. Und wenn sie wissen, dass sie am Grab noch etwas tun können, bleibt die Aufmerksamkeit in der Regel bis dahin bestehen.
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